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Echter Globetrotter

igz

Wenn Uwe Gudd anfängt aufzuzählen, in welchen Ländern dieser Erde er gewesen ist, kann man ihn besser fragen, wo er noch nicht war, das geht schneller. Der Zeitarbeitnehmer ist nicht nur ein Weltenbummler, er dürfte auch einer der langjährigsten Zeitarbeitnehmer überhaupt sein: Im August überreichte ihm der Geschäftsführer des iGZ-Mitgliedsunternehmens Kurt Schuhmacher KG, Dipl.-Ing. Hans-Jürgen Sommer, die Urkunde zur 40-jährigen Mitarbeit in der Firma.

Seit 1973 arbeitet der gelernte Elektro-Mechaniker auf Baustellen in China, Frankreich, Russland oder Thailand, Algerien, Malaysia oder auch Saudi-Arabien, um nur einige Stationen zu nennen. „Je länger, desto lieber“, meint der 61-Jährige verschmitzt und blickt dabei auf einen mehr als ungewöhnlichen Lebensweg zurück: Nach seiner Lehre baute Gudd zunächst zweieinhalb Jahre lang Heizungsanlagen für ein Unternehmen in Duisburg. Dann rief die Bundeswehr zum Dienst, anschließend nahm der Fachmann seine Arbeit beim Zeitarbeitsunternehmen auf. „Freitags habe ich mich vorgestellt und am Montag konnte ich direkt als Elektriker loslegen“, erinnert er sich. „Kurz darauf wurde ich gefragt, ob ich nicht für ein dreiviertel Jahr auf Montage nach Le Havre in Frankreich gehen möchte, und da habe ich dann Blut geleckt“, schmunzelt Gudd.

Die Firma zahlt deutlich über Tarif

Was folgte, war eine Tour de Force durch die große weite Welt der Industriebaustellen, wo er schließlich die Aufsichtsführung über die Errichtung ganzer Industrieanlagen übernahm. Ums Geld muss er sich dabei keine Sorgen machen – „die Firma zahlt deutlich über Tarif“, betont Sommer. Hauptsächlich überwacht er als Supervisor den Bau von Zement- und Spanplattenwerken: „Der Hersteller erklärt mir vorher die Konstruktion und die Pläne, in die ich mich dann einarbeite. Je nach Aufwand bekomme ich bis zu 100 Mitarbeiter, die ich vor Ort in ihre Aufgabengebiete einweise. Der Bau wird von mir bis zur Inbetriebnahme überwacht“, erläutert Gudd das Procedere. Zuvor allerdings werde das Ergebnis vom Auftraggeber abgenommen und der Erfolg des Gewerkes bewertet.

Ist ein solcher Job aber nicht auch ein Ehekiller? Der Supervisor lacht: „Im Gegenteil. Wir waren erst 16 Jahre lang verlobt und haben vor 25 Jahren geheiratet, weil mir eine Baustelle in Bhutan als gefährlich erschien. Ich wollte, dass meine Frau abgesichert ist“, gesteht er lächelnd ein und verrät: „Meine Frau kommt immer mit, wenn´s irgendwie möglich ist.“ Jemand, für den die USA, Kanada, Korea und Indonesien Alltag sind, hat natürlich viel zu erzählen. „Ein Buch könnte ich schon schreiben“, ist sich Gudd sicher – etwa darüber, wie er während des Falkland-Krieges zwischen England und Argentinien in Argentinien von Militärs verhaftet wurde, weil er abends im Park mit einem Kollegen Frisbee spielte – es hätte ja auch eine Mine sein können… Ein befreundeter General holte schließlich beide aus dem Gefängnis, als Entschuldigung gab´s ein Abendessen.

Uwe Gudd ist ein überzeugter Globetrotter: „Es gab mal ein oder zwei Jahre, in denen ich in Deutschland war“, erinnert er sich dunkel. Auf jeden Fall wolle er bis zur Rente durcharbeiten – und sich danach garantiert nicht gemütlich zur Ruhe setzen: „Wir haben überall auf der Welt Freunde, und unsere Reiselust ist ungebrochen“, unterstreicht er. Die Auftragslage wird´s ihm möglich machen: Gudd ist nun schon wieder in Weißrussland, und einer der Schwerpunkte der Kurt Schuhmacher KG ist der internationale Anlagenbau. Ach ja: Australien und Neuseeland fehlen noch auf Uwe Gudds Liste. „Wir arbeiten dran“, meint Hans-Jürgen Sommer mit vielsagendem Blick. (Wolfram Linke)

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